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Schweizer Arbeitswelt: Mehr als jeder zweite Mitarbeitende hat schon einmal wegen des Chefs gekündigt

Aktuelle Information Factory-Studie „Schweiz führt?!“ gewährt tiefen Einblick in die Schweizer Führungswirklichkeit

08.09.2014

In Sachen Führung läuft es noch nicht ganz rund in der Schweiz. Das ist das Ergebnis der Studie „Schweiz führt?!“, in der die Führungsqualität in Schweizer Unternehmen unter die Lupe genommen wurde. So haben rund 62 % der Mitarbeitenden schon einmal wegen ihres Vorgesetzten gekündigt. Und nur rund ein Drittel der Mitarbeitenden ist mit ihrer Führungskraft wirklich zufrieden. Doch es gibt auch Konsens zu vermelden.

Die Studie*, die Information Factory zusammen mit seinen Partnern jobs.ch und Persorama durchführte, zeigt vor allem, dass Führung grosse Auswirkungen auf den Arbeitsalltag hat. So sind 78 % der Mitarbeitenden davon überzeugt, dass ihre Führungskraft starken Einfluss auf ihre Jobzufriedenheit hat. Auch Führungskräften und HR ist dies bewusst: Hier sehen knapp 87 % und 92 % einen direkten Zusammenhang zwischen Führung und Jobzufriedenheit. Das hat insbesondere bei schlechter Führung, die zu Kündigungen „führt“, erhebliche Folgen: Stellen müssen nachbesetzt werden, Arbeit bleibt liegen, die Unternehmensperformance leidet.

Im Gegensatz zu den Mitarbeitenden, von denen die grosse Mehrheit zugibt, schon einmal wegen eines Vorgesetzen gekündigt zu haben, geben jedoch nur 16 % der Führungskräfte an, dass schon einmal ein Mitarbeitender wegen ihnen das Handtuch warf. Der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdbild der Führungskräfte wird auch an anderer Stelle deutlich: Während 94 % angeben, dass sie klare Ziele definieren, kommt das nur bei 42 % der befragten Mitarbeitenden so an. Fast 84 % der Führungskräfte sind der Ansicht, ihren Mitarbeitenden Rückmeldung zu ihren Leistungen zu geben, aber nur 28 % der Mitarbeitenden nehmen das so wahr. 14 % der Mitarbeitenden geben sogar an, nie Feedback zu erhalten.

Auf die Kommunikation kommt es an

Wenn Führung scheitert, machen Schweizer Mitarbeitende, HR-Fachleute und Führungskräfte in erster Linie die Kommunikation mit den Mitarbeitenden dafür verantwortlich. Für Mitarbeitende spielen darüber hinaus eine fehlende Fachkompetenz und zu wenig Wissen über die Arbeit des Teams eine grosse Rolle. Besonders interessant ist dies im Hinblick auf die Unterstützungsleistung seitens der Führungskräfte. Denn nur 23 % der befragten Mitarbeitenden glauben, bei der Erledigung ihrer täglichen Aufgaben auf ihre Führungskraft angewiesen zu sein, 72 % sind sogar davon überzeugt, dass die Führungskraft vielmehr sie braucht, um erfolgreich zu sein.

„Schweiz führt?!“ deckt jedoch auch Gemeinsamkeiten auf. Denn Einigkeit herrscht insbesondere in Hinblick auf Werte, denen eine gute Führungskraft folgt. „Initiative der Mitarbeitenden fördern“, „Orientierung und Sinn geben“ und „Für Stabilität sorgen“ landen auf den vordersten drei Plätzen – bei Mitarbeitenden, Führungskräften und HR-Fachleuten. Ebenso teilen die drei Befragtengruppen beim Thema Führungsaufgaben weitgehend die gleiche Auffassung. „Klare Ziele formulieren“, „Entscheidungen treffen“, „Kommunikation leben“ und „Mitarbeitende fördern“ stehen hoch im Kurs bei den Befragten.

Die wichtigsten Studienergebnisse auf einen Blick:

  • 62 % der Mitarbeitenden in Schweizer Unternehmen haben schon einmal wegen ihrer Führungskraft gekündigt. Männer wie Frauen gleichermassen häufig.
  • Führung hat Einfluss: 78 % der Mitarbeitenden sind davon überzeugt, dass ihr(e) Vorgesetzte(r) hohen Einfluss auf ihre Jobzufriedenheit hat. Noch stärker die Führungskräfte und HR: Hier sehen rund 87 % und 92 % einen direkten Zusammenhang zwischen Führung und Jobzufriedenheit.
  • Keine offene Kommunikation ist der häufigste Grund, warum Führung scheitert: Der Meinung sind 58 % der Mitarbeitenden, 66 % der HR-Befragten und sogar 68 % der Führungskräfte.
  • Der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdbild bei Führungskräften ist enorm: So glauben z.B. 84 % der Führungskräfte, ihren Mitarbeitenden Rückmeldung zu ihren Leistungen zu geben, aber nur 28 % der Mitarbeitenden nehmen dies wahr.
  • Nur 33 % der Mitarbeitenden sind mit ihrer Führungskraft zufrieden.
  • Rund 50 % hätten selbst gerne eine Führungsposition und 37 % denken, sie würden den Job besser machen als ihr(e) Vorgesetzte(r).
  • Nur 23 % der Mitarbeitenden brauchen ihre Führungskraft, um ihren Job erfolgreich zu meistern. Gleichzeitig sind 78 % der Meinung, dass umgekehrt ihre Führungskraft sehr auf sie angewiesen ist.
  • Einigkeit gibt es auch: „Initiative der Mitarbeitenden fördern“, „Orientierung und Sinn geben“ und „Für Stabilität sorgen“ landen als wichtigste Werte guter Führung bei allen drei Befragtengruppen in den Top 3.

Die Studie „Schweiz führt?!“ zeigt einerseits, dass es noch grossen Verbesserungsbedarf in der Schweizer Führungskultur gibt. Andererseits macht sie einen breiten Konsens im Hinblick auf Werte einer guten Führung sichtbar. „Was es heute braucht sind nicht zwangsläufig charismatische sondern zuerst einmal (fach-)kompetente, überzeugende Führungskräfte, die Ziele gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden erreichen können. Es kommt also auf die Personaler und Geschäftsführer an, notwendige Massnahmen umzusetzen“, kommentiert Claudia Conrads, Studienleiterin und Beraterin bei Information Factoy.

Die komplette Studie gibt es hier: Download


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